Zähne und Kiefer

Kiefererkrankungen

Fehlende oder überzählige Zähne

Zahnunterzahl (Hypodontie): Fehlende bzw. nichtangelegte Zähne.

Zahnüberzahl (Hyperdontie): Überzählige Zähne.

Nicht nur bei den Weisheitszähnen kann die Zahl der Zähne von Mensch zu Mensch variieren. Häufiger als die Zahnüberzahl tritt die Zahnunterzahl auf, man spricht in diesem Zusammenhang auch von Nichtanlagen. Etwa jeder dritte Erwachsene ist davon betroffen, wobei meist nur einzelne Zähne fehlen. Häufig sind ein oder mehrere Weisheitszähne nicht angelegt, bei weniger als 5 % der Menschen fehlen andere Zähne wie der zweite Backenzahn oder ein seitlicher Schneidezahn. Von Nichtanlagen abzugrenzen sind Zähne, die zwar vorhanden sind, aber nicht durchbrechen (retinierte Zähne).

Die Zahnüberzahl ist deutlich seltener, nur jeder fünfzigste Erwachsene hat zu viele Zähne. Sie tritt bei Jungen bzw. Männern häufiger auf als bei Mädchen bzw. Frauen und wird meist im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung entdeckt. Am häufigsten ist der Zapfenzahn (Mesiodens), ein fehlgebildeter Schneidezahn in der Mitte des Oberkiefers, der klein und rundlich geformt ist und fast keine Schneide besitzt. Manche Menschen verfügen über einen zweiten Weisheitszahn (Distomolar, Dentes supernumerari), von Zahnärzten auch Neuner genannt, er ist ebenfalls meist klein und rundlich.

Eine Zahnüberzahl bzw. -unterzahl kann sowohl beim Milchgebiss als auch bei bleibenden Zähnen auftreten, ist bei Milchzähnen jedoch seltener.

Gelegentlich treten auch Fehlbildungen des Zahnschmelzes oder des Zahnbeins auf, die teilweise eine genetische Ursache haben, häufiger aber auf Umwelteinflüsse zurückgehen. Wenn der Schmelz vollständig oder teilweise fehlt, spricht man von einer Hypoplasie. Wenn er zwar vorhanden, aber nicht ausgehärtet ist, liegt eine Störung in der Reifung oder in der Verkalkung vor.

Das macht der Arzt

Entdeckt werden überzählige Zähne meist im frühen Jugendalter, wenn der Kiefer bei der Diagnose einer Zahnfehlstellung routinemäßig geröntgt wird. Auch das Fehlen nichtangelegter Zähne fällt spätestens dann auf, wenn der Zahnwechsel weitgehend abgeschlossen ist.

Wenn nur ein Weisheitszahn fehlt, ist keine Behandlung nötig. Andere fehlende Zähne können durch Implantate ersetzt werden, sofern der Kieferknochen an der betroffenen Stelle normal ausgebildet ist. Ist er zu schmal oder nicht hoch genug, wäre zuvor ein Knochenaufbau nötig. Manchmal ist noch ein Milchzahn an einer Stelle vorhanden, wo der bleibende Zahn fehlt. Da er nicht von selbst ausfällt, wenn kein Zahn nachkommt, kann der Patient ihn durch gute Mundhygiene erstaunlich lange (zum Teil mehrere Jahrzehnte) erhalten.

Überzählige Zähne werden in der Regel gezogen oder herausoperiert, da sie oft nicht richtig ausgebildet sind und der Kiefer meist auch nicht genug Platz bietet, sodass sich die anderen Zähne später verschieben würden.

Falsch ausgebildete Zähne schützt der Zahnarzt mit Kronen oder Veneers vor vorzeitigem Verschleiß bzw. weiteren Schäden.

Kauschmerz

Kauschmerz: Schmerzen während des Kauens.

Eine ungleichmäßige oder einseitige Belastung beim Kauen verursacht mit der Zeit Schmerzen. Die Kaubelastung verteilt sich immer dann schlecht, wenn die Okklusion (der richtige Biss) nicht stimmt und die Zähne nicht perfekt ineinander greifen. Kauschmerzen weisen daher oft auf Zahnfehlstellungen oder zu hohe Kronen und Füllungen hin. Wenn der Schmerz spontan in Ruhephasen auftritt (Ruheschmerz), liegen meist die gleichen Ursachen vor, sie sind nur schon länger vorhanden und unbehandelt geblieben.

Auch akute Entzündungen wie eine vereiterte Wurzel oder eine Zahnnerventzündung können beim Kauen wehtun.

Bei älteren Patienten kommt auch eine Kiefergelenksarthrose oder eine Arteriitis temporalis als Ursache in Betracht.

Das macht der Arzt

Als erstes untersucht der Zahnarzt, ob eine akute Entzündung einzelner Zähne vorliegt. Ist diese Ursache ausgeschlossen, tastet er die Kaumuskulatur nach schmerzenden oder verhärteten Stellen ab und nimmt Gebissabdrücke für ein Gipsmodell. Da er beim Kauen schlecht in den Mund gucken kann, simuliert er die Kaubewegungen im Labor mit einem solchen Gipsmodell und spürt so Unstimmigkeiten auf. Um den Biss wieder passend zu machen, schleift er dann die nicht passenden Zahnflächen ein bzw. baut Zähne an anderer Stelle auf. Schienen zur Entlastung der Gelenke können die Behandlung sinnvoll ergänzen.

Kiefergelenkarthrose und Kiefergelenkarthritis

Kiefergelenkarthrose: Degenerative (abnutzungsbedingte) Verschleißerkrankung des Kiefergelenks, sowohl einseitig als auch beidseitig auftretend. Bei fortschreitender Erkrankung schmerzt das Kauen zunehmend und die Beweglichkeit des Unterkiefers wird eingeschränkt. Auch Knacken oder Knirschen beim Öffnen des Mundes treten auf.

Kiefergelenkarthritis: Entzündung des Kiefergelenks, verursacht viel früher Schmerzen als die Kiefergelenksarthrose.

Eine Arthrose entsteht vor allem in Kiefergelenken, die bereits geschädigt sind – zum Beispiel durch eine habituelle Kieferluxation, Zähneknirschen oder nicht passende Prothesen und Füllungen. Eine wichtige Rolle spielt auch das Alter, schließlich sind die Kiefergelenke die beiden meist benutzten Gelenke des menschlichen Körpers. Bei einer Kiefergelenkarthrose nimmt die Beweglichkeit nach und nach ab, zudem knackt und knirscht es bei Bewegungen. Erst spät kommen Schmerzen hinzu. Eine Kiefergelenkarthritis geht oft mit einer rheumatischen Grunderkrankung einher und schmerzt bereits in einem frühen Stadium.

Das macht der Arzt

Oft wird eine Kiefergelenkarthrose zufällig festgestellt, da sie bereits lange ohne Beschwerden vorliegen kann. Behandelt wird sie mit Schienen, die auf die Zahnreihen gesetzt werden und das Gelenk entlasten. Oft ist allerdings eine Operation der einzige Weg zur Besserung. Als erster Eingriff findet meist eine Gelenkspülung statt, bei der abgestorbene Knorpelzellen aus dem Gelenk gespült werden. Wenn das nicht hilft, wird in einem weiteren Eingriff die Gelenkinnenhaut entfernt (Synovektomie) oder der zerstörte Knorpel durch einen künstlichen ersetzt.

Grundsätzlich versucht der Arzt immer, möglichst lange konservativ zu behandeln, da Kiefergelenkoperationen sehr schwierig sind und nur mäßige Heilungschancen bieten.

Mit einer Kiefergelenkarthritis gehen die Betroffenen häufiger von selbst zum Arzt; sie lässt sich mit entzündungshemmenden Mitteln und einer Entlastung der Gelenke therapieren. Oft wird sie im Rahmen der Grunderkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis) behandelt.

Kieferklemme

Kieferklemme (Ankylostoma): Unmöglichkeit, den Mund mehr als nur geringfügig zu öffnen. Am häufigsten als Folge einer komplizierten Weisheitszahnentfernung oder Entzündung an nur teilweise sichtbaren Weisheitszähnen mit Schwellung und Eiterbildung. Die Betroffenen können oft nicht mehr essen, da der Mund nur wenige Millimeter aufgeht. Die Behandlung erfolgt durch Antibiotika und die Öffnung des Abszesses.

Bei einem nicht behandelten Kieferbruch oder einer Entzündung in der Nähe des Kiefergelenks schwillt der Unterkieferwinkel an und die Weichteile verhärten sich. Der Mund lässt sich nun nicht mehr öffnen. Ein Arztbesuch ist lebenswichtig, da sich ausbreitender Eiter zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen kann. Früher war eine Kieferklemme häufig das erste Anzeichen einer Tetanusinfektion.

Kiefersperre

Kiefersperre (Kieferluxation): Ausrenkung des Kiefergelenks.

Eine Kiefersperre tritt meist zufällig durch sehr starkes Gähnen oder eine extreme Mundöffnung auf, kann aber auch Folge eines Unfalls sein. Wenn der Kopf des Kiefergelenks aus der Knochenpfanne im Oberkiefer nach vorne herausrutscht, ist das Kiefergelenk ausgerenkt. Dadurch werden die Kiefer gesperrt und der Betroffene kann den Mund nicht mehr schließen – wenn er sich nicht mehr öffnen lässt, liegt eine Kieferklemme vor.

Verrenkt sich jemand immer wieder den Kiefer, dann ist das Kiefergelenk vorgeschädigt und man spricht von einer habituellen Kieferluxation.

Das macht der Arzt

Um den Mund zu schließen, muss der behandelnde Arzt das Gelenk mit dem Hippokrates-Handgriff wieder einrenken. Dazu tritt er von hinten an den Patienten heran und fasst mit beiden Daumen auf die Kauflächen der Unterkieferzähne. Dann zieht er den Unterkiefer leicht nach vorne, richtet ihn gerade aus und drückt den Kiefer in die normale Position zurück. So rutschen die Kiefergelenkköpfchen wieder in ihre richtige Position. Anschließend stellt er den Kiefer bei Bedarf für einige Tage mit einer Schiene oder einer Verdrahtung ruhig.

Patienten mit einer habituellen Kieferluxation beherrschen den Hippokrates-Handgriff meistens selbst und können sich so auch ohne Arzt helfen.

Kieferzysten

Kieferzyste: flüssigkeitsgefüllter Hohlraum im Kieferknochen, mit einer Membran ausgekleidet.

Wenn eine Zyste im Kiefer wächst, verdrängt sie ihre Umgebung, dadurch können sich benachbarte Zähne verschieben oder verdrehen. Kieferzysten entstehen als Überbleibsel einer früheren Entzündung oder sind angeboren. Soweit keine akuten Beschwerden wie sichtbare Veränderungen am Kiefer vorliegen, werden Zysten oft nur zufällig auf einem Röntgenbild festgestellt. Dort sind sie an ihrem scharfen hellen Rand deutlich zu erkennen.

Zysten werden – wenn möglich – komplett entfernt. Dazu öffnet der Kieferchirurg oder Zahnarzt das Zahnfleisch oberhalb der Zyste unter örtlicher Betäubung, entfernt die Zyste mitsamt Membran, füllt den Hohlraum mit knochenaufbauendem Material (ein synthetisch hergestelltes Granulat, das sich im Körper in Knochen umwandelt, z. B. PerioGlas®) und näht den Schnitt im Zahnfleisch anschließend zu. Innerhalb weniger Wochen verheilt die Wunde. Zur Sicherheit wird das entnommene Gewebe feingeweblich untersucht.

Zahn- und Kieferfehlstellungen

Zahn- und Kieferfehlstellung: Behandlungsbedürftige Abweichung von der anatomisch optimalen Stellung.

Im idealen Gebiss greifen die Ober- und Unterkieferzähne in einem bestimmten Verhältnis ineinander und bewirken so den richtigen Biss (Okklusion). Die anatomisch optimale Zahnstellung wird vor allem an der Stellung der ersten großen Backenzähne (6-Jahr-Molaren) und der Eckzähne zueinander festgemacht. Des Weiteren sollte ein leichter waagerechter und horizontaler Überbiss vorhanden sein, d. h. die oberen Schneidezähne sollten etwas vor den unteren stehen und diese in der Ruhestellung um 1–2 mm überlagern.

Die Ursachen von Fehlstellungen sind so vielfältig wie die verschiedenen Formen: Mal ist der Kiefer zu klein oder wegen überzähliger Zähne zu eng, mal ist er zu groß oder wegen nicht angelegter Zähne zu weit. Teilweise sind Fehlstellungen einfach angeboren, teilweise durch falsches Verhalten im Kindesalter erworben, z. B. durch Daumenlutschen oder Schnuller tragen. Eine kieferorthopädische Behandlung bringt praktisch immer eine deutliche Besserung. In seltenen Fällen kann eine unbehandelte Kieferfehlstellung im Erwachsenenalter Tinnitus auslösen.

Leitbeschwerden

  • Verschobene, gedrängte oder verdrehte Zähne
  • Übergroße Lücken
  • Probleme beim Kauen oder Beißen
  • Nach vorne, hinten oder seitlich versetzter Unterkiefer
  • Sprachstörungen
  • Lippenschlussprobleme.

Wann zum Arzt

Den Zahnarzt bei Gelegenheit ansprechen, wenn die Zähne eines Kindes sehr schief aussehen oder einzelne Zähne aus der Zahnreihe hervorstehen.

Die Erkrankung

Das Gebiss fast jedes Menschen weicht mehr oder weniger deutlich vom Idealgebiss ab. Dennoch formt das Kräftegleichgewicht zwischen Lippen- und Wangenmuskulatur von außen und der Zunge von innen bei den meisten eine gleichmäßige Zahnstellung und einen schönen Zahnbogen. Erst wenn die Abweichungen so stark sind, dass Schäden an den Zähnen oder Kiefergelenken drohen oder eine Beeinträchtigung der Lebensgewohnheiten zu erwarten ist, ist eine kieferorthopädische Behandlung notwendig.

In der Praxis hat kaum ein Mensch das ideale Gebiss – und das ist auch gut so. Gerade die kleinen Abweichungen und Unregelmäßigkeiten sind es, die jedem Einzelnen die individuelle Note verleihen und Teil des Erscheinungsbilds sind. Natürlich kann ein Kieferorthopäde oder Zahnarzt auch kleine Unregelmäßigkeiten korrigieren, falls diese stören. Ob der erforderliche Aufwand zeitlich und finanziell sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden.

Die häufigsten behandlungsbedürftigen Fehlstellungen sind:

Zahnengstand. Wenn im Kiefer zu wenig Platz für die komplette Zahnreihe ist, stehen die Zähne nicht mehr in Reih und Glied, sondern verdreht oder sogar in zweiter Reihe. Dieser Zahnengstand wird üblicherweise mit einer Dehnplatte behandelt, die den betroffenen Kiefer weitet. In die Dehnplatte sind Schrauben eingearbeitet. In regelmäßigen Abständen stellt der Kieferorthopäde die Schrauben nach, um die Spange zu verbreitern. Dadurch wird das Knochenwachstum angeregt und der Oberkiefer weitet sich mit der Zeit. Dehnplatten sind für den Patienten nicht immer angenehm zu tragen, stellen jedoch eine effektive Behandlungsmöglichkeit dar. Manchmal ist es auch nötig, gesunde Zähne zu ziehen, um auf diese Weise Platz zu schaffen.

Vorbiss und Rückbiss. Wenn die Kiefer unterschiedlich groß sind bzw. der eine deutlich über den anderen ragt, stehen die Zähne in die eine oder andere Richtung falsch zueinander. Ragen die Oberkieferfrontzähne deutlich über die Unterkieferzähne hinaus, spricht man von einem Rückbiss (Distalbiss). Der umgekehrte Fall, bei dem der Unterkiefer vorsteht, heißt Vorbiss (Mesialbiss, Progenie). Beide Fehlstellungen müssen behandelt werden. Ein frühzeitiger Besuch beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden ist sinnvoll, da die Behandlung je nach Schwere und Behandlungsziel früh beginnt.

Kreuzbiss. Bei einem Kreuzbiss ragen die Backenzähne des Unterkiefers auf einer oder auf beiden Seiten über die Backenzähne des Oberkiefers hinaus – normalerweise ist der Oberkiefer auf beiden Seiten breiter. Das Ergebnis ist ein schiefer Biss, die Kaufunktion ist aber durchaus gegeben. Auch eine umgekehrte Verzahnung der Schneidezähne (wenn die unteren vor den oberen stehen) kommt vor.

Ob eine Behandlung sinnvoll und notwendig ist, kann erst nach einer Vermessung der Kiefer entschieden werden – wenn, dann sollte sie bereits in der Wachstumsphase (ab 5 oder 6 Jahren) beginnen. Oft findet eine zweite Behandlungsphase gegen Ende des Zahnwechsels (ab 12 Jahren) statt.

Offener Biss. Als offenen Biss bezeichnet man alle Fehlstellungen, bei denen sich die gegenüberliegenden Zähne von Ober- und Unterkiefer nicht überall berühren. In schweren Fällen ist der Kiefer deutlich verformt. Ein offener Biss kommt sowohl seitlich als auch frontal vor, oft stört er die Sprachentwicklung und die Kaufunktion. Bei einem vorne offenen Biss schließen die Lippen manchmal nicht richtig und die Betroffenen leiden wegen ihrer Mundatmung unter häufigen Halsentzündungen.

Ein offener Biss kann z. B. durch Daumenlutschen, zu langen Schnullergebrauch oder falsches Schlucken entstehen. Zur Korrektur sind festsitzende Zahnspangen sowie bei schweren Fällen auch Operationen nötig.

Diastema. Ein Diastema (Frontzahnlücke) ist eine auffällig große Lücke zwischen den beiden mittleren Schneidezähnen. Kinder haben während des Zahnwechsels häufig mehrere Millimeter breite Lücken zwischen den Schneidezähnen, in den meisten Fällen schließen sie sich im Alter von 7–9 Jahren mit dem Durchbruch der seitlichen Schneidezähne wieder. Im Gegensatz zu dieser vorübergehenden Lücke ist ein echtes Diastema erblich bedingt und bildet sich nicht selbst zurück. Es entsteht durch ein zu tief ansetzendes Lippenbändchen an der Innenseite der Lippe, meist im Oberkiefer.

Ob sich die Zahnstellung beim Durchbruch der seitlichen Schneidezähne verbessert, zeigt ein einfacher Test: Der Zahnarzt zieht leicht an der Oberlippe. Wird der Zwischenraum zwischen den mittleren Schneidezähnen weißlich, so ist das Lippenbändchen zu lang und reicht bis in den Gaumen. In diesem Fall wird sich die Lücke nicht von selbst schließen. Bleibt der Bereich jedoch rötlich durchblutet, so verringert sich der Abstand später von selbst.

Bevor er mit der Behandlung beginnt, wartet der Arzt in jedem Fall bis zum Durchbruch der seitlichen Schneidezähne. Bei der Behandlung löst er zunächst in einem kleinen Eingriff unter örtlicher Betäubung das Lippenbändchen und seine in den Gaumen ausstrahlenden Bänder vom Knochen und befestigt sie etwas weiter oben wieder. Die Naht ist 3 Wochen später vollständig verheilt. Diesem kleinen chirurgischen Eingriff folgt der kieferorthopädische Teil der Behandlung: Mithilfe von zwei Klammern werden die Zähne von außen zusammengeschoben. Diese Klammern bilden entweder eine eigene kleine Zahnspange oder sie sind Teil einer größeren festen oder herausnehmbaren Spange. Ein Diastema lässt sich gut behandeln, verschlechtert sich jedoch manchmal nach Behandlungsende wieder.

Das macht der Arzt

Viele Fehlstellungen werden von den Eltern erkannt oder vom Zahnarzt im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Zur genaueren Klärung sind oft eine Röntgenaufnahme, eine Vermessung der Kiefer und eine Beratung durch einen Kieferorthopäden nötig. Der Kieferorthopäde nimmt Abdrücke, nach denen ein Zahntechniker ein Modell des Gebisses herstellt. Um das weitere Kieferwachstum einzuschätzen, wird gelegentlich auch die Handwurzel geröntgt – der Verknöcherungszustand des Gelenks gibt Auskunft über das zu erwartende weitere Wachstum des Kindes (Knochenalter).

Üblicherweise beginnt eine kieferorthopädische Behandlung im Alter von etwa 10–12 Jahren, also kurz vor Ende des Zahnwechsels. Nur bei wenigen Fehlstellungen, z. B. wenn das Wachstum der Kiefer beeinflusst werden soll, ist ein Beginn im Vorschul- oder Grundschulalter sinnvoll. Eltern sollten daher, sobald ihnen eine Fehlstellung auffällt, den Zahnarzt bei der nächsten Untersuchung darauf ansprechen. Häufig müssen sie allerdings noch einige Jahre die weitere Entwicklung des Gebisses abwarten.

Auch wenn viele Eltern auf eine frühe Behandlung drängen, so ist ein zu früher Behandlungsbeginn medizinisch nicht sinnvoll. Viele kleinere Fehlstellungen geben sich während des Zahnwechsels von selbst, andere können zu einem frühen Zeitpunkt noch gar nicht effektiv behandelt werden. Starke Verformungen des Kiefers sind oft nur durch eine Operation behandelbar, sie findet in der Regel erst im Erwachsenenalter statt, wenn das Kieferwachstum abgeschlossen ist.

Zahnspangen & Co.

Je nach Art und Schwere der Fehlstellung werden unterschiedliche kieferorthopädische Apparate eingesetzt. Viele Probleme lassen sich gleich auf mehreren Wegen oder mit einer kombinierten Methode lösen. Prinzipiell eignen sich bei den meisten Fehlstellungen sowohl herausnehmbare als auch festsitzende Zahnspangen. In schwereren Fällen werden eher feste Spangen eingesetzt. Manchmal können die Betroffenen allerdings auch wählen, welche Variante ihnen lieber ist. Beide haben ihre Vor- und Nachteile:

  • Herausnehmbare Zahnspangen haben den Vorteil, dass man sie bei Schmerzen herausnehmen kann und sie eine gute Mundhygiene ermöglichen. Da viele Behandlungen in einem Alter stattfinden, in dem die Mundhygiene noch nicht optimal ist, schützen sie so vor Kariesschäden. Mit herausnehmbaren Zahnspangen können auch Kräfte auf Zähne und Kiefer ausgeübt werden, die bei einer ununterbrochenen Anwendung Schäden hinterließen oder zu schmerzhaft wären. Zudem sind sie auch bei den Patienten beliebt, da man sie bei wichtigen Anlässen oder zum Sport weglassen kann. Dass man sie herausnehmen kann, ist jedoch auch ein Nachteil, denn sie gehen leichter verloren oder werden beschädigt. Außerdem können der Kieferorthopäde und die Eltern die Tragedauer nicht kontrollieren. Mit herausnehmbaren Spangen sind zudem nicht alle Zahnbewegungen möglich und die Behandlung dauert insgesamt länger.
  • Festsitzende Zahnspangen ermöglichen eine kürzere Behandlungsdauer. Mit ihnen lassen sich fast alle Zahnbewegungen durchführen, daher eignen sie sich auch zur Korrektur komplizierter Fehlstellungen. Bei festsitzenden Zahnspangen weiß der Kieferorthopäde zudem genau, wie lange sie getragen werden. Eine gute Mundhygiene ist auch mit festsitzenden Geräten möglich, allerdings ist sie aufwendiger. Die Patienten stört vor allem die dauerhafte Sichtbarkeit der festen Apparate. Feste Zahnspangen sind mittlerweile aber so verbreitet, dass es schon fast zur Pubertät gehört, eine zu tragen. Feste Spangen sind zwar etwas teurer als herausnehmbare, dafür dauert die Behandlung mit ihnen nicht so lange.

Im Anschluss an die feste Spange sorgt oft eine herausnehmbare Spange dafür, dass sich die Zähne nicht in die alte Position zurückbewegen. Manchmal fixiert der Kieferorthopäde die Zähne auch einfach mit einem Draht oder einer Schiene auf der Innenseite (Retainer) für den Zeitraum von 2–8 Jahren, um Rückbewegungen zu verhindern.

Welche Spange für wen?

Mundvorhofplatten. Mundvorhofplatten (Lippenformer) sehen ein wenig aus wie ein Schnuller und sind herausnehmbar. Sie dienen dazu, schädliche Lutschgewohnheiten (z. B. Daumenlutschen oder Dauergebrauch des Schnullers) zu beenden oder die Innenseite der Zähne vor der Zunge zu schützen. Der Kieferorthopäde setzt sie vor allem zur Vorbeugung oder zur Vorbereitung und Unterstützung der Behandlung ein.

Multibrackets. Multibrackets (Multiband-Apparatur) sind die typischen festen Zahnspangen, sie bestehen aus Halterungen, die der Kieferorthopäde direkt auf die Zähne klebt (das sind die Brackets), und Drähten, die sie verbinden. Nun kann er jeden einzelnen Zahn gezielt in verschiedene Richtungen bewegen und so auch komplizierte Korrekturen durchführen. Je dicker der Draht ist, umso mehr Kraft übt er aus. Um bestimmte Zugwirkungen zu erreichen, setzt der Kieferorthopäde zusätzlich Federn und Gummibänder ein.

Das beste Material für Brackets ist immer noch Stahl. Es gibt aber auch Brackets aus durchsichtigem Kunststoff und zahnfarbener Keramik, die kosmetisch vorteilhafter sind. Diese Alternativmaterialien bringen jedoch Nachteile mit sich. So neigen Kunststoffbrackets bei langem Gebrauch zu Verfärbungen; Keramikbrackets brechen schneller und können andere Zähne beschädigen, da sie härter als der natürliche Zahnschmelz sind. Aus diesem Grund werden Keramikbrackets fast ausschließlich im Oberkiefer eingesetzt, an den unteren Schneidezähnen könnten sie die Innenseite der oberen Schneidezähne ramponieren. Ein weiterer Nachteil ist, dass gesetzlich Versicherte die zusätzlichen Kosten selbst übernehmen müssen.

Brackets können auch von innen an die Zähne geklebt werden. Diese so genannten Lingualbrackets ergeben eine unsichtbare, feste Zahnspange. Sie werden vor allem aus kosmetischen Gründen bei Erwachsenen eingesetzt. Da Herstellung und Anwendung kompliziert sind, entstehen hohe Kosten. Medizinisch gesehen haben sie eher Nachteile: Sie stören beim Sprechen, erschweren die Zahnreinigung (da sie nicht ohne Spiegel zu sehen sind) und führen zu Zungenverletzungen.

Herausnehmbare Zahnspange. Herausnehmbare Zahnspangen bestehen entweder nur aus Draht oder aus einer Kunststoffplatte, an der Drahtbügel und Klammern befestigt sind. Sie werden im Lauf der Behandlung immer wieder nachgestellt, bis die erwünschte Zahnstellung erreicht ist.

Dehnplatten. Dehnplatten (Expander, aktive Platten) sind herausnehmbare Spangen für den Ober- bzw. Unterkiefer, die den Kiefer allmählich weiten. Viele aktive Platten verfügen über eine oder mehrere eingebaute Dehnschrauben, die der Kieferorthopäde Schritt für Schritt verstellt. Es gibt sehr viele verschiedene Bauformen, schließlich ist jede Zahnspange eine Einzelanfertigung für den jeweiligen Patienten. Oft kombiniert der Kieferorthopäde Dehnplatten und feste Zahnspangen, z. B. wenn er erst den Kiefer weitet und anschließend die Zähne verschiebt.

Teilweise werden herausnehmbare Dehnplatten bzw. Zahnspangen beweglich miteinander verbunden, um den Biss und das Verhältnis der Kiefer zueinander zu beeinflussen. Rückschubdoppelplatten schieben zur Behandlung eines Vorbisses den Unterkiefer zurück und fördern dabei durch die Gegenkraft auch die Entwicklung des Oberkiefers. Genau umgekehrt funktionieren Vorschubdoppelplatten, mit denen der Kieferorthopäde einen Rückbiss korrigiert.

Headgear. Bei den Patienten besonders unbeliebt, aber kieferorthopädisch sehr sinnvoll ist ein Headgear (Gesichtsbogen). Wenn die Zahnstellung im Oberkiefer beeinflusst werden soll, ohne den Unterkiefer mit einzubeziehen, gibt es kaum eine andere Behandlungsmöglichkeit. Ein Headgear ist ein herausnehmbarer Bügel, an dem eine Zahnspange befestigt wird. Er wird verwendet, wenn eine Abstützung außen am Kopf notwendig ist, z. B. wenn die Backenzähne im Oberkiefer nach hinten verlagert werden sollen. Im Mund wird ein Metallbogen an den Zähnen befestigt. Dieser Metallbogen führt aus dem Mund heraus, halb um den Kopf herum und wird in einen Federzug eingehängt, der hinter oder auf dem Kopf (z. B. mit einem Band im Nacken oder durch eine Kappe) gehalten wird. Ein Headgear sollte etwa 14–16 Stunden am Tag getragen werden, für die Schule, zum Essen und zum Sport kann der Patient ihn aber abnehmen.

Gesichtsmaske. Bei Patienten ähnlich unbeliebt wie ein Headgear ist eine Gesichtsmaske (Delaire-Gesichtsmaske). Kieferorthopäden verordnen sie daher nur selten und wenn es keine medizinisch sinnvolle Alternative gibt. Sie besteht aus einer Stirn- und einer Kinnstütze, die über einen Metallbügel oder Rahmen verbunden sind. An der Gesichtsmaske werden Gummibänder oder Federn befestigt, die den Oberkiefer nach vorne ziehen. Die Gesichtsmaske bringt bei einem unterentwickelten Oberkiefer oft schon in wenigen Monaten ein deutliches Wachstum, obwohl sie nur nachts getragen wird.

Aktivatoren und Bionatoren. Aktivatoren und Bionatoren sind herausnehmbare einteilige Geräte, mit denen beide Kiefer gleichzeitig behandelt werden. Beide kommen aus der ganzheitlichen Kieferorthopädie und funktionieren sehr ähnlich: Im Gegensatz zu Zahnspangen, die mit Drähten oder Federn aktiv auf die Zähne einwirken, nutzen sie die beim Kauen, Schlucken und Sprechen entstehenden Kräfte zu einer passiven Umformung des Bisses. Aktivatoren und Bionatoren werden während der Wachstumsphase als Plastikblock im Mund getragen. Durch gelegentliches Zurechtschleifen schafft der Kieferorthopäde Platz für Zahnbewegungen oder er lenkt Kau- und Schluckkräfte gezielt auf einzelne Zähne. Beide Geräte können durch Bügel ergänzt werden. Sie eignen sich für den Umbau der Kiefergelenke und für Bissverschiebungen. Bei einigen Problemen (z. B. einem ausgeprägten Vorbiss oder bei verdrehten Zähnen) scheitern sie jedoch.

Der Unterschied zwischen Aktivatoren und Bionatoren ist gering und besteht vor allem darin, dass Aktivatoren auf eine Steigerung der Muskeltätigkeit abzielen, während Bionatoren die vorhandenen Kräfte lenken. Die Behandlung wird oft durch Körperhaltungsübungen und andere Maßnahmen unterstützt.

Unsichtbare Zahnspangen. Relativ neu sind unsichtbare Zahnspangen (Invalisign®-Spangen, Kunststoffzahnschienen), dabei handelt es sich um Schienen aus transparentem Kunststoff, die nach einem Computermodell des Gebisses hergestellt werden. Nach jeweils 2–3 Wochen wird die Schiene durch eine neue ersetzt, die leicht veränderte Form bewegt die Zähne allmählich in die gewünschte Richtung. Dieses Verfahren eignet sich nur für leichte bis mittelschwere Fehlstellungen und kann nur bei bleibenden Zähnen eingesetzt werden. Invalisign®-Spangen sind eine reine Privatleistung. Für Patienten, die bereits mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, kann sich diese Ausgabe für den kosmetischen Vorteil dieser Behandlungsmethode jedoch lohnen.

Behandlungskosten

Da praktisch bei jedem Menschen die Zahnstellung ein wenig vom Idealgebiss abweicht, werden die Kosten für eine Behandlung erst ab einem gewissen Schweregrad von den Kassen übernommen, dann aber komplett. In Österreich übernehmen die Kassen weniger Kosten – entsprechend seltener wird dort behandelt.

Die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung werden von der Krankenkasse beim ersten Kind zu 80 %, beim zweiten Kind zu 90 % sofort nach Vorlage der Arztrechnung übernommen. Den Differenzbetrag müssen die Eltern zunächst als Eigenanteil vorstrecken, bekommen ihn aber nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung von der Kasse erstattet.

Eine kieferorthopädische Behandlung sollte nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus finanziellen Gründen während der Kindheit oder im Jugendalter beginnen. Ab 18 müssen die Patienten nämlich sämtliche Kosten selbst tragen, es sei denn, es liegen wirklich schwere, von einem Gutachter bestätigte Fehlstellungen vor. Grundsätzlich ist die Behandlung von Zahnverschiebungen in jedem Alter möglich, bei Erwachsenen dauert sie allerdings länger. Das Kieferwachstum lässt sich bei Erwachsenen kaum noch ohne begleitende Operationen beeinflussen.

Die Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Behandlung. Zusätzliche Leistungen wie z. B. Keramikbrackets oder Lingualbrackets müssen von den Patienten selbst getragen werden. Sie werden nach der Gebührenordnung für Zahnärzte berechnet.

Weiterführende Informationen

  • www.zahnspangen.org – Informationsseite des Berufsverbands der Deutschen Kieferorthopäden e. V. (BDK, Berlin): Die Informationen sind für Kinder, Eltern und erwachsene Patienten zielgruppengerecht aufbereitet.
  • Stiftung Warentest (Hrsg.): Zähne – Vorsorge, Behandlung, Kosten. Verein für Konsumenteninformation, 2005. Ratgeber rund um Zähne und Zahnbehandlungen. Sehr empfehlenswert.

Zähneknirschen

Zähneknirschen (Zähnepressen, Bruxismus): Mechanische Fehlbelastung der Zähne durch unbewusste Bewegungen.

Die Zähne beißt man nicht nur sprichwörtlich zusammen, wenn eine anstrengende Aufgabe ansteht. Etwa ein Viertel aller Menschen knirschen nachts, seltener auch tagsüber mit den Zähnen. Der Großteil von ihnen sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren. Seelischer Stress gilt als häufigste Ursache für das Zähnknirschen.

Auf Dauer kommt es durch das Zähneknirschen zu vielfältigen und gravierenden Beschädigungen an Zähnen, Zahnfleisch, Zahnhalteapparat und Kaumuskulatur. Die Beschwerden lassen sich durch eine Behandlung mit Schienen meist deutlich mindern. Oft verschwindet das Zähneknirschen auch von selbst wieder, wenn eine Stressphase überstanden ist.

Bei Kindern ist Zähneknirschen völlig normal, sie stimmen damit während des Zahnwechsels die Zähne aufeinander ab, bis sie genau aufeinander passen.

Leitbeschwerden

  • Morgendliche Schmerzen im Kiefergelenk
  • Morgendliche Verspannung und Muskelkater der Kaumuskeln
  • Kopfschmerzen, Verspannungen
  • Abgeriebene oder gelockerte Zähne.

Die Erkrankung

In etwa 90 % der Fälle ist seelischer Stress schuld daran, dass Menschen nachts die Zähne aufeinander pressen oder mit ihnen knirschen. Vor allem Menschen, die sich ihre Ängste oder ihren Ärger nicht anmerken lassen wollen, sind häufig Knirscher. In den übrigen Fällen löst meist eine zu hoch stehende Füllung oder Krone das Zähneknirschen aus.

Der Zahnarzt unterscheidet zwischen dem reinen Zusammenpressen der Zähne ohne Bewegungen und dem eigentlichen Zähneknirschen mit Bewegung der Zähne gegeneinander. Beide Verhaltensweisen belasten die Zahnreihen mit einem Druck von über 100 kg/cm2. Beim Zähneknirschen weist jeder Mensch ein eigenes Muster auf, d. h. jeder macht spezielle, immer wiederkehrende Bewegungen, die auf Dauer als Schlifffacetten auf den gegenüberliegenden Zähnen zu erkennen sind. Die Bewegungsmuster sind sehr unterschiedlich. Manche schieben den Unterkiefer weit nach vorne, andere zur Seite, wieder andere kombinieren diese Bewegungen.

Zu Beginn macht sich das Zähneknirschen nur durch eine leichte Überanstrengungen der Kaumuskulatur und eine stärkere Abnutzung der Eckzähne bemerkbar. Hält die Fehlbelastung an, entstehen durch die Überbeanspruchung Risse im Zahnschmelz, Zahnstücke splittern ab und die Kauflächen werden abgeschliffen. In schweren Fällen kommt es zu einem Abschleifen der Zähne bis in das Zahnbein hinein oder sogar bis in die Nähe der Pulpahöhle. Auf Dauer wird zusätzlich das Zahnfleisch in Mitleidenschaft gezogen, da der hohe Druck die Durchblutung erschwert. Zahnfleischrückgang und lockere Zähne (bis hin zum Zahnverlust) sind die Folge.

Das macht der Arzt

Wenn ein Patient nicht gezielt wegen des Zähneknirschens gekommen ist, erkennt ein Zahnarzt die typischen Beschädigungen während der normalen Untersuchung. Der Verdacht auf Zähneknirschen lässt sich im Gespräch erhärten. Patienten, die schon länger knirschen, können diese Bewegung oft sogar gezielt auslösen und beim Zahnarzt vorführen. Nachdem er das Gebiss auf die Okklusion (den richtigen Biss) überprüft hat, schleift der Zahnarzt ggf. die Zähne exakt ein und stellt so eine passende Okklusion her. Anschließend behandelt er das Pressen oder Knirschen mit Aufbissschienen aus Kunststoff. Sie werden über Nacht wie eine Schutzkappe auf den Ober- oder Unterkiefer gesetzt. Es gibt zwei Typen von Aufbissschienen:

  • Adjustierte Aufbissschienen fixieren die Zahnreihen und verhindern so die Knirschbewegung völlig. Gleichzeitig wird der Biss etwas gesperrt, d. h. der Abstand zwischen den Zahnreihen leicht vergrößert. Dies führt zu einer leichten Muskeldehnung und hilft den Muskeln, über Nacht zu entspannen.
  • Nicht adjustierte Aufbissschienen lassen eine leichte Bewegung zu. Auch sie sperren die Bisslage ein wenig, damit die Spannung in der Kaumuskulatur nachlässt.

Oft gelingt durch die Muskeldehnung eine Unterbrechung des schlechten Kreislaufs aus Stress, Verspannung und Knirschen innerhalb weniger Monate. Es gibt jedoch auch Patienten, die zu Dauerschienenträgern werden, da sie nur so noch entspannt schlafen.

Selbsthilfe

Mit der konventionellen Schienenbehandlung schränkt der Zahnarzt zwar die schädlichen Folgen des Knirschens ein, schafft die Ursache des Problems jedoch nicht aus der Welt. Alles, was gegen den Stress und die Verspannung hilft, mindert oder beseitigt letztlich auch das Zähneknirschen. Sie können z. B. die Kaumuskulatur durch Massagen entspannen oder durch Sport, Yoga oder Autogenes Training einen Ausgleich schaffen; bei Dauerstress bietet sich auch eine Mind-Body-Therapie an. In manchen Fällen ist eine begleitende psychologische Behandlung erforderlich, um einen gesünderen Umgang mit dem Stress zu lernen.